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FRAUENSACHE

Deutschlandfunk, Cornelie Ueding, 30.11.2019

(…) Es geht ja doch noch: aufklärendes, agiles, politisches Theater mit einem Schuss Ironie und Witz auf die Bühne zu bringen. Und dabei ein wirklich ernstes Problem, das der Abtreibung, vornehmer gesagt der „Schwangerschaftsunterbrechung“, in den Fokus zu nehmen. Ernsthaft aber nicht moralisierend, aktuell und richtiggehend spannend. (…) Kurze, stilisierte Bilder, blackouts, scharfe szenische Schnitte, kaum Requisiten, schnelle tänzerische Schritte der sechs Akteurinnen in dem treppenartigen Raum – Regisseurin Alexandra Liedtke gibt dem Ganzen eine Dynamik, die schwerblütiges Lamentieren und Grübeln unterbindet und gerade dadurch ruckartiges Erkennen von Zusammenhängen ermöglicht. Es zeigt sich, dass strategische Unterwanderung einer Gesellschaft durch tückische Tarnung auf der einen, latenter Verharmlosung auf der anderen Seite, die Widerstandskräfte selbst anfangs noch kämpferischer Figuren wie Beate schwächt. (…) Ein listiges „Lehrstück“ – dem es gelingt, eine komplexe Diskussion so anschaulich verdichtet darzustellen, dass wir, hoffentlich rechtzeitig, ein ganzes Stück klüger aus dem Theater herausgehen als wir hineingegangen sind.

Die deutsche Bühne, Volker Oesterreich, 11.02.2020

(…) Hübner gehört mit gutem Grund zu den Quotenkönigen der zeitgenössischen Dramatik. Seit einiger Zeit schreibt er seine Stücke zusammen mit Sarah Nemitz. Die Rollenprofile des Autorengespanns sind klar konturiert, die Plots mal komödiantisch, mal spannungsreich oder – wie in diesem Falle –gesellschaftlich ganz zugespitzt auf die Höhe der Zeit. Es fehlt weder an überraschenden Wendungen noch an zitierfähigen Bonmots. Wie Yasmina Reza oder Ferdinand von Schirach kultivieren die beiden die auf unseren Bühnen an den Rand gedrängte Dramaturgie des well-made plays. (…)

Badische Neuste Nachrichten, Andreas Jüttner, 11.02.2020

Hat Theater heute noch was zu sagen? Oft wird diese Frage bejaht mit dem Verweis darauf, das Theater sei einer der letzten verbliebenden Orte, an denen die Gesellschaft gemeinsam über Fragen ihres Zusammenlebens nachdenken könne. Dass diese zu Phrase geronnene Formel durchaus Realität werden kann, beweist nun das Badische Staatstheater mit der gelungenen Uraufführung „Frauensache“. Das Auftragswerk des Autorenduos Lutz Hübner und Sarah Nemitz ist ein starker Text über das Einschleichen neurechter Ideologien in den Alltag. Dabei wird das Stück nie zum simpel, moralisierenden Thesenpapier, sondern kommt spannend und wendungsreich daher wie eine jener Streaming-Serien, bei denen man immer weiß, worum es geht, aber nie sicher sein kann, was als nächstes passiert. „Frauensache“ lebt wie die ebenfalls in Karlsruhe gezeigten Hübner/ Nemitz-Stücke „Richtfest“ und „Willkommen“ von der Kunstfertigkeit des Duos, Figuren zwar als Bedeutungsträger zu nutzen, ihnen aber zugleich durch pointierte Dialoge und schlüssige Konflikte glaubhaftes Leben einzuhauchen. Eine Vorlage, die in der souveränen Regie von Alexandra Liedtke von sechs überzeugenden Darstellerinnen zum auf anregende Weise bedrückenden Erlebnis gemacht wird. (…) Langer Applaus im voll besetzten Kleinen Haus für eine Inszenierung, die sowohl als Schauspielerlebnis wie auch als Diskussionsanregung viele weitere stark besuchte Vorstellungen verdient.

Badisches Tagblatt Baden-Baden, Ute Bauermeister, 11.02.2020

(…) Bei der knapp zweistündigen Uraufführung konnte man sich dem brisanten Stoff nicht entziehen. (…) Man fühlte sich direkt angesprochen, als die beiden Ärztinnen erbittert über das Thema „Schutz des Lebens oder Schutz der Frau“ stritten. (…) Eindrücklich, aufrüttelnd und aktuell! Viel Applaus für ein wichtiges Stück, das hervorragend gespielt und beklemmend gut inszeniert wurde!

Nachtkritik, Shirin Sojitrawalla, 30.11.2019

(…) Was sich zuerst als Krimi unterschiedlicher Weltanschauungen entwickelt und dabei große Gewissensfragen in den Saal stellt, die es durchaus mit der Entscheidung im Erfolgsstück „Terror“ aufnehmen könnten, gleitet rasch in eine Auseinandersetzung mit den Strategien der Rechtsextremen und ihrer kalkulierten Besetzung meta- bzw. vorpolitischer Räume. Höhepunkt des Stücks ist dann das Aufeinandertreffen der beiden Kontrahentinnen bei einer öffentlichen Podiumsdiskussion, die durchaus an die zentrale Konfrontation in Ibsens „Volksfeind“ erinnert. Teile des Premierenpublikums jedenfalls fühlen sich angestachelt, der Frauenärztin und später auch ihrer Sprechstundenhilfe spontan Beifall zu spenden. (…)

 

SWR2, Marie-Dominique Wetzel, 30.11.2019

(…) Engagiertes Theater über gesellschaftlich relevante Themen

Ein Theaterstück, das in kurzen, schlaglichtähnlichen Szenen und pointierten Dialogen zeigt, dass Fragen nach Frauenbildern und Familienpolitik gerade heute wieder hochbrisante Themen sind und letztendlich die gesamte Gesellschaft betreffen. Und ein Abend, der wieder einmal bewiesen hat, dass sich engagiertes Theater gut dafür eignet, Finger in Wunden zu legen und aktuelle, gesellschaftsrelevante Themen zu verhandeln. Gerne mehr davon.

 

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