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SZENEN EINER EHE

BNN, Andreas Jüttner, 29.10.2018

„Anna Bergmann inszeniert „Szenen einer Ehe“ als intensives Duell.

Was ist die Basis einer idealen Ehe? Verständnis, meinen Marianne und Johan. Und behaupten auch prompt: „Wir verstehen uns sofort.“ Nur um umgehend völlig auseinanderzudriften: Sie erklärt, mit ihrem Leben so zufrieden zu sein, dass alles immer so bleiben soll wie es ist. Er hingegen hält die Institution Ehe für überholt und plädiert für Fünf-Jahres-Verträge, nach denen man sich neu entscheiden darf. (...)

Ein weites (Schlacht-)Feld der Emotionen, das man als Zuschauer dank der facettenreichen Darstellungskunst von Kießling und Tank fasziniert durchschreiten darf.

Durchschritten wird im Lauf der Aufführung (deren knapp drei Stunden kurzweilig verfliegen) auch das Theater selbst, denn die Szenen werden an unterschiedlichen Orten gespielt. So wird etwa die Diskussion über die Schwangerschaft in den Requisitenfundus verlegt, der hier als Keller voller angesammelter Erinnerungen fungiert und damit auch die Entscheidungsschwäche der beiden illustriert. „Ich kann mich so schwer trennen“, seufzt Marianne hier inmitten von Gerümpel – ein Satz, der sich später als prophetisch erweist. Und auf ganz engem Raum verfolgt man das emotionale Auseinanderdriften des Paares nach der Abtreibung: Eine Badezimmerszene wird in einer Schauspielgarderobe gespielt.

Zum packenden Theaterereignis wird der Abend dann aber ab der vierten Szene, in der man auf der Studiobühne rund um ein großes Bett sitzt und den Zerfall der Beziehung verfolgt. Waren die Szenen zuvor eher schlaglichtartig, spielen Kießling und Tank hier nun einen großen emotionalen Bogen, an dessen Ende alles in Scherben liegt. (...)

Vor allem aber gibt Bergmanns Inszenierung den Darstellern die Zeit, die drastischen Bögen stimmig aufzubauen, und das Duo zahlt dies mit einer schauspielerischen Intensität zurück, die ihresgleichen sucht.“

Badisches Tagblatt, Ute Bauermeister, 29.10.2018

„Die Zuschauer folgen dem Paar an unterschiedliche Orte, hinunter in die Requisite, dann in die Umkleide (Johan duscht, sie schminkt sich ab), später ins Foyer, wo die Pause geschickt ins Spiel eingebunden wird, bis über die Straße in einen Probenraum. Immer sitzt oder steht der Betrachter extrem nah dran. Keine Sekunde kann man da wegsehen, auch weil die beiden großartigen Darsteller einen in Bann ziehen."

Die Rheinpfalz, Rüdiger Krohn, 03.11.2018

„In der Spannung von Distanz und Nähe, erotischer Anziehung und wütendem Hass, Dominanz und Abstoßung entspinnt sich ein Psycho-Gemetzel, in dem keiner gewinnen kann. Und so durchläuft das Paar in diesem Stationendrama immer neue Wechselbäder krasser Gemüts- und Gefechtslagen – von verbaler Niedertracht und vergifteter Kränkung über sexuelles Begehren und unheilbare Sehnsucht bis hin zu enthemmter Prügelei und der Errichtung immer neuer Lügengebäude unter dem Anschein schonungsloser Offenheit.

Die beiden Darsteller halten den Spannungsbogen der sechs Bilder mit intensivem Spiel und vitaler Ausdruckskraft überzeugend durch. Auf dem Gang durch wechselnde Räume des Theaters vom engen Requisitenfundus über eine Schauspieler-Garderobe und die mittlere Foyer bis ins Studio begeben sie sich in den Strudel ihrer Hassliebe und führen die Facetten ihrer Beziehung mit beklemmender Wucht vor.“

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